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Ski/Snowboardlofoten

Skifahren auf dem NunEine 7.135-m-Abfahrt im Himalaya

Four skiers ascend a snowy mountain with skis and poles, under a partly cloudy sky. The skier in orange is wearing Norrøna apparel.

Vom Herzen Chamonix’ bis in die Höhen des Himalaya: Dies ist die Geschichte guter Freunde, die ein großer Traum verbindet – den Nun, einen 7.135 Meter hohen Gipfel im Norden Indiens, auf Skiern hinabzufahren.

Expeditionen haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. In meiner Jugendzeit in Chamonix fanden wir uns als Freundesgruppe zusammen, vereint durch dieselben Skiträume und dieselbe Vorstellung von den Bergen. Mit 19 unternahmen wir unsere erste Reise in die peruanische Cordillera Blanca und befuhren einige 6000er und 5000er mit Skiern. Seitdem ist unsere Gruppe dem Schnee durch Pakistan, Marokko, Alaska und Patagonien gefolgt.

Expeditionen sind etwas ganz Besonderes: Sie lassen einen über sich hinauswachsen und unzertrennliche Bande zu den Menschen knüpfen, mit denen man sie erlebt. Eine solche Kameradschaft entsteht nur, wenn man gemeinsam in einem Zelt darauf wartet, dass der Sturm vorüberzieht, oder auf einem Berggipfel den Sonnenaufgang erlebt, bevor man durch den Pulverschnee hinabfährt. Das Besondere an einer Expedition ist, dass sie von einem Hauch des Ungewissen umgeben ist – man weiß nie genau, wohin es geht, wie der eigene Körper reagieren wird oder was einen erwartet. Ein bisschen wie das Leben selbst, nur mit mehr Schwüngen im Pulverschnee.

Two smiling men peek out from a yellow tent on a rocky landscape. Backpacks and hiking gear are nearby with a foggy mountain backdrop.
Expeditionen sind etwas ganz Besonderes, weil man an ihnen wächst und unzertrennliche Bande zu den Menschen knüpft, mit denen man sie erlebt.

Ankunft in Leh

In diesem Frühjahr nahmen Gaspard, Mathieu, Jules, Nico, Adrien und ich den Nun ins Visier, einen 7.135 Meter hohen, pyramidenförmigen Gipfel im Himalaya im Norden Indiens. Jules und Mathieu hatten es bereits drei Jahre zuvor versucht, mussten jedoch auf 6.400 Metern umkehren.

Der Traum blieb.

Nach einem grandiosen Flug über den Himalaya landete unser Flugzeug schließlich überraschend sanft auf dem Rollfeld des Flughafens von Leh, der auf 3.500 Metern Höhe am Ufer des Indus liegt. Die Region Leh, auch als Kaschmir bekannt, befindet sich an der nördlichsten Spitze Indiens und ist ein Schmelztiegel, in dem Reisende aus allen Teilen des eurasischen Kontinents, die über die Seidenstraße kamen, über Jahrhunderte hinweg ihre Spuren hinterlassen haben. In ein und derselben Straße findet man eine Moschee direkt neben einem buddhistischen Tempel, während hinduistische Gläubige friedlich umhergehen.

Landscape view of Leh, India, showing trees, buildings, and mountains in hazy sunlight.

Eingebettet zwischen Pakistan und Tibet war diese Region schon immer ein Brennpunkt. Heute verleihen die Streitigkeiten zwischen Pakistan und Indien diesem Ort eine eigentümlich kontrastreiche Atmosphäre: einerseits die Militarisierung des Gebiets und allgegenwärtige Kontrollpunkte, andererseits der überwältigende Eindruck von Frieden, den Tempel, im Wind flatternde bunte Fahnen und die friedliche Haltung der Menschen vermitteln.

Für die Genehmigungen und die Logistik wandten wir uns an Stanzin Chosdan, einen professionellen und fröhlichen Begleiter, der immer einen Witz auf Lager hatte. Während wir auf die verspäteten Skitaschen und Nicos Visum warteten, akklimatisierten wir uns in Leh – wir wanderten durch schneebedeckte Wüstenhügel, trafen einheimische Bergsteiger und sahen zu, wie Gaspard mit dem Gleitschirm auf einem Schulhof landete.

In die Wildnis

Nachdem wir unser Gepäck endlich zurückbekommen hatten, verließen wir Leh und folgten dem Indus. Als wir Kargil und anschließend Tangol, unser letztes Dorf, erreichten, wich die buddhistische Architektur Gebäuden im arabischen Stil. Die Träger waren beunruhigt; der Mai sei zu früh und es liege noch zu viel Schnee, sagten sie. Doch wir gingen weiter. Stunden später, nachdem wir uns durch den schweren Frühjahrsschnee einen Weg gebahnt hatten, erreichten wir einen Bergsattel und schlugen unser erstes Lager auf. Sobald die Träger den Hügel zurück zum Dorf überquert hatten, waren wir auf uns allein gestellt.

Jede Tätigkeit erschien uns nun lebenswichtig: Schnee schmelzen, Sonne tanken, essen. Tag für Tag brachten wir Lasten weiter nach oben und machten uns das Mantra „langsam und schwer“ zu eigen – weit entfernt vom „schnell und leicht“-Stil der Alpen. Als Nico schließlich zu uns stieß, war das Team komplett. In den folgenden Tagen nutzten wir das sonnige Wetter, um die höher gelegenen Lager einzurichten. Wie eine Karawane auf der Seidenstraße, schwer beladen bis über den Kopf, pendelten wir unablässig zwischen Lager 1, Lager 2 (dem offiziellen Basislager) und Lager 3 hin und her. Schließlich erreichten wir auf 5.500 m ein Eisfeld, wo wir unterhalb der einschüchternden Westwand des Nun ein Belagerungslager errichteten.

A person in a Norrøna jacket sits inside a tent pitched on a snowy mountain. Skis, poles, and ice axes are visible outside.

Es war eine Rückkehr in die Wildnis, die sich gut anfühlte. Jede Bewegung unseres Körpers war, genau wie jeder Moment der Untätigkeit, ein lebenswichtiges Bedürfnis. Wasserlassen, das Lager aufschlagen, in der Sonne ruhen, um Wärme zu speichern, essen – jede Entscheidung wird im gegenwärtigen Augenblick getroffen und abgewogen. Nichts wird verschwendet; alles steht zur Verfügung.

Und dann hat man den Luxus, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Jedes einzelne Element wurde sorgfältig geprüft – und seine Aufnahme muss gerechtfertigt sein. Zudem haben wir unsere Kriterien in mehreren Phasen überarbeitet und dabei eine beträchtliche Menge an Material verworfen.

A person in Norrøna clothing drinking water on a mountain. The person is wearing a beanie and sunglasses while sitting on a rock. Snowy mountain backdrop.

Ich gebe zu, eine kleine Ausnahme gemacht und mir den Luxus gegönnt zu haben, ein wenige Tage zuvor in Leh gekauftes Mini-Schachspiel aus Holz sowie ein Buch meiner Großmutter mitzunehmen: Michel Peissels Reisebericht, in dem er seine Erkundung Mustangs in den 1950er-Jahren nachzeichnet. Unser Ziel war es, all unsere persönlichen Habseligkeiten und unsere Ausrüstung in einer einzigen Tasche unterzubringen. Um unsere Rücken zu entlasten, wurden unsere Taschen zu wahren Schatzkammern. Feuerzeuge, Taschentücher, Riemen, Kaugummipackungen, Löffel, faltbare Schüsseln, Einwegkameras, Toilettenpapier, Radio, Handschuhe – all das sind Dinge, die man am besten griffbereit hält, um jeden Augenblick dieses neuen Lebens zu genießen.

Schon bald hielt uns schlechtes Wetter fest. Der Wind begrub unsere Zelte und Schneemauern. Wir lasen, zeichneten, spielten Schach und trotzten Schneestürmen. Gewitter zwangen uns, Metallgegenstände nach draußen zu schleudern und zu beten, nicht vom Blitz getroffen zu werden.

Der Gipfelsturm

Endlich tat sich ein Wetterfenster auf. Wir überquerten das Plateau und schlugen auf 6.000 m unterhalb einer Sérac-Wand unser Lager auf. Als wir zum Nordgrat aufstiegen, drohten Erfrierungen. Schließlich errichteten wir auf 6.400 m unsere Zelte auf einem schmalen Felsband über einem Meer aus Bergen. Der Himalaya erstreckte sich endlos vor uns, ein Gebirgskamm hinter dem anderen, ohne dass irgendwo eine Schwachstelle zu erkennen war.

Im Morgengrauen brachen wir auf. Gletscherspalten, verlorene Steigeisen und Erschöpfung bremsten uns aus. Einige kehrten um. Nico, Jules und ich gingen weiter und kämpften uns durch Séracs und kombiniertes Gelände. Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug erreichten wir den Grat. Gebetsfahnen bestätigten, dass wir auf dem Gipfel waren. Auf 7.135 Metern umarmten wir uns und weinten. Für Jules war es die Wiedergutmachung nach einem gescheiterten Versuch Jahre zuvor; Nico triumphierte, nachdem ihn Visaprobleme noch wenige Tage zuvor in Chamonix festgehalten hatten.

Doch der Abstieg war keine Ehrenrunde. Um uns herum gingen Lawinen ab, Schneebretter rutschten auf dem Eis. Dennoch fuhren wir vorsichtig auf Skiern zurück zum Lager, ließen uns erschöpft in die Schlafsäcke fallen und überstanden eine letzte Nacht in großer Höhe.

A climber ascends a snowy mountain under a blue sky. They wear Norrøna pants, carry skis and use an ice axe.