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Mountainbiken

Canvas Hotel – Heimat der Radfahrer

Stellen Sie sich den perfekten Mountainbike-Pfad vor, weit entfernt von den nächsten Häusern, Straßen oder Stromleitungen.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Kilometerlang nichts als Felsen, die durch braunerdige Pfade in der grünen Vegetation verbunden sind. Stellen Sie sich einen Trail vor, der nie zu enden scheint, und schließlich über eine Brücke auf eine kleine Insel inmitten eines stillen, dunklen Teiches führt. Und plötzlich taucht zwischen den Felsen ein Hotel auf, das es so kein zweites Mal gibt. Ein Hotel, dessen Manager ein früherer Angehöriger der Königlich Norwegischen Marine ist, dessen Koch auf eigene Faust acht Mal den Südpol erreicht hat und dessen Butler normalerweise Safaris in Afrika leitet.

Das Canvas Hotel hat keinen Parkplatz, keine Straße, keinen Strom, keine Innentoilette, keinen Swimmingpool, kein Pay-TV und ist trotzdem eines der exklusivsten und einzigartigsten Hotels weltweit – zumindest für uns Mountainbiker.

Aus der Entfernung erscheint das Canvas Hotel eher wie ein Lager nordamerikanischer Ureinwohner, wobei allerdings Zelte im traditionellen mongolischen Jurtenstil sowie speziell angefertigte Hauszelte aus festem khakifarbenen Canvas den Kern bilden. Schmale Brücken verbinden das Hotel mit den Trails, die zu jeder Seite der winzigen Insel abgehen. Und auf dem Fahrrad geht es abenteuerlich zu – man kann bis zum heimlichen Mittelpunkt des Hotels fahren: dem Küchenzelt. Das Essen ist erstklassig und genauso einzigartig wie das Hotel selbst. Doch jetzt ist es Zeit für einen Sprung ins kühle Nass und danach für einen Abstecher in die Sauna, die genauso wie unsere Unterkunft auch eine Jurte ist.

Nach den anstrengenden Stunden auf dem Fahrrad werden eine kühlende Erfrischung im Teich, ein warmes Bad in der Wanne am Kai, eine dampfende Sauna und eine heiße Dusche aus einer zwischen zwei Bäumen hängenden Getränkedose zu luxuriösen Erlebnissen. Sogar Massagen werden hier draußen in der Wildnis angeboten. Doch da unser Mittagessen heute ausgefallen ist, müssen wir uns erst mal so richtig stärken.

Ein langer Tisch mit mehreren eingebauten Grills lädt dazu ein, sich seine Köstlichkeiten selbst zuzubereiten. Im Wohlgefühl der vom Feuer ausgehenden Wärme kann jeder Gast nach Lust und Laune kombinieren: Pfannkuchen, Eier und Speck zum Frühstück, Bergforelle oder Wild zum Abendessen. Leckere Drinks und der Ausblick auf die tolle natürliche Umgebung machen dieses kulinarische Abenteuer zu etwas ganz Besonderem. Das Essen hier kann sich mit dem Angebot in Restaurants mit jeder Menge Sterne messen, außer dass dort glänzende Luxuswagen vor der Tür stehen und hier schlammbedeckte Fahrräder.

Egal wie lange unsere Gäste auf dem Rad sitzen, wir können nicht garantieren, dass sie hier abnehmen,

so der Manager Jan Fasting, während er sich seinen Bauch reibt. Nach dem Bad und dem fantastischen Essen könnten wir diesen perfekten Tag auch schon ausklingen lassen, doch da es hier so lange hell bleibt, schwingen wir uns erneut auf unsere Räder. Und weil wir praktisch direkt am Trail schlafen, verlieren wir keinen einzigen Augenblick. Das Gelände bietet sowohl Anfängern als auch Profis unendlich viele Möglichkeiten: Hier kommt jeder auf seine Kosten. Auf den gleichmäßigen Felsen kann sich jeder seinen eigenen Weg suchen, wobei sich unterschiedliche Schwierigkeitsgrade finden.

„Man hört mit dem Spielen nicht auf, weil man alt wird, man wird alt, weil man mit dem Spielen aufhört“, sagt unser Guide, als er uns ein paar Runden über eine natürliche Sprungschanze auf einer langen, geraden Steinoberfläche führt. Die letzte Fahrt zurück in die Zivilisation ist einfach unvergleichlich. Und als wir das Gefühl haben, dass es eigentlich nicht besser werden könnte, verlässt unser Guide den Pfad, um uns einen kleinen Bach zu zeigen, der parallel zum Weg verläuft. Es ist eine Einladung, den flachen, von Moos gesäumten Strom auf dem glatten Felsen genau wie jeden anderen Weg auch zu behandeln. Und schon stürzen wir uns ins Vergnügen, wobei das Wasser unter unseren Reifen aufspritzt, und achten darauf, nicht zu scharf zu bremsen und auftauchende Hindernisse zu umfahren.

Als wir wieder an unseren Autos ankommen, sind wir pitschnass und tropfen vor Schweiß, Wasser und Schlamm. Ein Bad im nächsten Bergteich beseitigt die Spuren des Abenteuers und schon vermissen wir das Canvas, vor allen Dingen die Sauna und das wunderbare Essen. Wir setzen uns ins Auto und fahren zurück in die Realität. Hoffentlich kehren wir irgendwann hierher zurück.