Bergsteigen

Climbing falketind in the winter

Every now and then, the wind decides to act like a freight train, picking up everything in its path and transporting it somewhere else.

Sogar die Wolken. Man kann im natürlichen Zeitraffer beobachten, wie sie als weiche Spielbälle des Windes am Himmel von einem Ort zum nächsten sausen. Als der Wetterbericht also einen Sturm ankündigte, machten wir uns auf einen wilden Tanz der Wolken gefasst. Wir hofften, dass sie hinwegtanzen würden, um uns die Berge zu überlassen. 

Leider liegt es in der Natur der Berge, dass die höchsten Gipfel oft Wolkenmagnete darstellen. Selbst wenn die umliegenden Orte in der Sonne liegen, werden die höchsten Berge für gewöhnlich von weißen Schleiern verhüllt. Falketind ist ein solcher Gipfel. Mit einer Höhe von genau 2067 Metern über dem Meeresspiegel ragt er wie eine Kirchturmspitze empor und zieht die Gewitterwolken an, die sich anscheinend kein besseres Leben als das an einem Berggipfel vorstellen können. Uns geht es da natürlich ähnlich, doch noch müssen wir den Wolken den Vorrang gewähren, da wir aktuell in unserem Zelt am Fuße des Berges auf bessere Sicht warten.

Drei von uns in einem Einpersonenzelt. Doch der Norrøna-Botschafter Robert Caspersen hat bei seinen vertikalen Expeditionen auf der ganzen Welt sicher schon weniger gemütlich gezeltet. Für den Fotografen Sverre Hjørnevik ist die Arbeit in der Natur selbstverständlich und er weiß, dass man in Sachen Wetter Geduld mitbringen muss. Ausgestattet mit Proviantpaketen, Tee und Schokolade haben wir es uns hier in unserem kleinen Reich gemütlich gemacht. Doch vier Stunden später ist es vorbei mit der Gemütlichkeit. Unsere Beine sind eingeschlafen und bei einem Blick durch den Reißverschluss des Zeltes offenbart sich uns das gleiche Weiß wie zuvor.

Die Routenwahl

Der Falketind ist ein atemberaubender Berg, der an vielen Stellen steil abfällt, daher sind für eine sichere Winterbesteigung stabile Schneeverhältnisse erforderlich. Dennoch ist eine Wintertour auf den Falketind alle Mühen wert. Man muss im Hinblick auf die Schneequalität unbedingt Vorsichtsmaßnahmen treffen. Doch der Gletscher an sich besteht größtenteils aus Schnee, was weniger Möglichkeiten für Gletscherspalten bietet. Es ist sicherer, mit Skiern über einen Gletscher zu wandern, da man sein Körpergewicht über eine größere Fläche verteilt. So vermeidet man es, in enge Spalten rutschen.

Bei Planung einer Besteigung im Sommer sollte man eine gute Tagestour einrechnen, da man im Auto bis zum Fuße des Berges vorfahren kann. Im Winter sind die Straßen ins Koldedal jedoch geschlossen und Schneemobile dürfen nur eingeschränkt genutzt werden. Skier sind das einzige Fortbewegungsmittel, um das Ziel zu erreichen. Wer in Fondsbu oder Eidsbugarden übernachtet, muss daher für die Tour einige Kilometer extra einplanen. Alternativ dazu kann man die Tour in Etappen aufteilen und am Fuße des Berges sein Zelt aufschlagen.

Auf Skiern gibt es verschiedene Möglichkeiten, doch wir haben uns für die Route ins Koldedal und von dort den Gletscher Falkbreen (auch Snøggeken genannt) hinauf entschieden. Vom See Koldevatnet, der sich vor dem Berg ausbreitet, geht es direkt mit dem Aufstieg ins Hochtal los, das zum Falkbreen führt. Ist der erste steile Anstieg geschafft, ist der Weg zur Gletscherkante relativ flach. Ab jetzt hängt die weitere Tour sehr von der Schneequalität ab, doch es sollte möglich sein, auf Skiern den Weg bis zum Pass neben dem Stølsnostinden zu erreichen, von wo aus man hinüber- und dann zum Gletscher Stølsnosbreen hinabgelangen kann. Da der Gletscher leicht geschrumpft ist, muss man je nach Schneehöhe ein wenig kraxeln, um auf die andere Seite zu kommen. Unten am Gletscher angekommen, geht es gerade weiter zum Falketind, der sich in nördlicher Richtung auftürmt. Die meisten Wanderer wählen den Nordrücken, um den Falketind zu Fuß zu besteigen. Legen Sie Ihre Skier ab, schnallen Sie sich die Steigeisen an und vergessen Sie Ihre Eisaxt nicht, denn ab hier können sich die Wetterbedingungen schnell ändern. Der Abstieg erfolgt im Wesentlichen über dieselbe Route.

Umdrehen ist keine Schande

Nach der Rückkehr zum Zelt haben wir erkannt, dass heute einfach nicht der Tag war, um den Falketind bis zum Gipfel zu besteigen. Die umwerfende Aussicht über das Gebirge Hurrungane, das Gefühl, nach einem langem Aufstieg auf dem Gipfel zu stehen, die Gletscherüberquerung, Skier, Eisaxt und Steigeisen – all das würde warten müssen. Das Wetter spielte leider nicht mit und wir hatten zu diesem Zeitpunkt keine andere Wahl, als die Heimreise anzutreten.

Der gleiche Wind, der zuvor unser härtester Widersacher auf der 20 Kilometer langen Anreise zum Fuße des Berges war, drückt uns jetzt kraftvoll zurück nach Fondsbu. Mir kam dabei der Gedanke, dass der Wind auch ein guter Reisebegleiter sein kann.

Hinweise für Wintertouren

1. Bei einer Wintertour hat es höchste Priorität, genug Kleidung mitzunehmen. Das Wetter ist schwerer vorhersagbar als im restlichen Jahr, außerdem sind auch die Temperaturen niedriger. Sie benötigen dicke Kleidung, am besten packen Sie jedoch zwei mittlere Jacken ein anstatt einer dicken. Der Norrøna-Botschafter und Guide Robert Caspersen sagt dazu: „Schneeschichten sind unerwünscht, aber Kleidungsschichten auf dem Körper sind genau richtig!“

2. Wir empfehlen, eine winddichte Plane oder ein kleines Einpersonenzelt einzupacken, falls Sie eine längere Tagestour planen. Schlechtes Wetter kommt gern ohne Ankündigung und in solchen Fällen ist der Windschutz einer der wichtigsten Faktoren.

3. Packen Sie Proviant ein, und zwar ausreichend. Denken Sie daran, dass Ihr Körper u. a. die Aufgabe hat, Sie zu wärmen. Dafür braucht er jede Menge Brennstoff.

4. Schützen Sie sich vor Erfrierungen im Gesicht. Packen Sie eine Gesichtsmaske ein, falls der Wind stärker wird.

5. Gamaschen halten Ihre Beine trocken und verhindern, dass Schnee in die Hose eindringt.

6. In Bezug auf die Kälte ist im Winter der Wind Ihr größter Feind. Es regnet selten, winddichte Kleidung sollte also für gewöhnlich ausreichen. Winddichte Softshell-Kleidung bietet eine effizientere Isolierung als dünne, wasserdichte Jacken und ist daher oft die bessere Wahl.

7. Seien Sie sich darüber im Klaren, dass Sie an Stellen, die Sie im Sommer ohne Weiteres besteigen würden, im Winter eventuell Zusatzausrüstung wie Steigeisen und Eisaxt benötigen. Hat sich der Schnee in Eis verwandelt, sind die Bedingungen um einiges anspruchsvoller.