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Bergsteigen

Eine Klettertour am Falketind im Sommer

Here I lie, peeking over the edge of the Falketind plateaux, but the 1000-metre free fall drop below me is making me dizzy, so I quickly retreat.

Iselin, sieh doch noch ein bisschen weiter über den Rand hinaus!

photographer Sverre Hjørnevik

I look at our guide and third walking companion Robert Caspersen, who, to my eyes, appears to be lying half over the edge, and looks more like he could be lounging on the sofa in front of Netflix on a Sunday afternoon. He must have long since overcome any fear of heights he may have had, perhaps atop some summit in Patagonia or at the South Pole. Or maybe while climbing the high mountains of Pakistan. I, on the other hand, have a fear of heights something akin to a random neighbour who calls whenever it suits him. It's not that I've never been up a high mountain before, but my fear of heights can come and go. Perhaps it's because of the wind that has picked up to a fresh breeze, or the airy ridge traverse, or all the loose stones on the way up to the ridge. Whatever it was, there was something, and now I'm lying here, edging forwards to stick my nose over the edge again. Sverre calls out that we are done, and I let out a sigh of relief that I managed it. Although, of course, I didn't manage it. Sverre realised pretty quickly that this picture wasn't going to be great with me lying as stiff as a board with my nose just about over the edge with Robert beside me doing the exact opposite.

 

Zum Glück muss man auf dem Gipfel nicht immer nur nach unten blicken, man kann auch nach oben oder in die Entfernung zum Gebirge Hurrungane schauen. Mit ihren entsprechend hohen Zweitausendern stehen sie da wie die entfernten Verwandten des Falketind, und man fühlt sich fast ein bisschen geehrt, die Welt aus ihrer Perspektive betrachten zu dürfen. Als erster in Norwegen bestiegener Berg alpinen Charakters türmt sich der Falketind gleichsam als Eingangstor des Gebirges Jotunheimen auf. Seine Besteigung wurde in der jüngeren Vergangenheit als die Entdeckung Jotunheimens beschrieben und trug dazu bei, dass der Falketind Ikonenstatus erlangte. Wenn man nun auf dem Gipfel steht und den Blick über das Gebirge Hurrungane schweifen lässt, fällt es leicht, sich in die ersten Bergsteiger hineinzuversetzen. Man spürt förmlich, was sie bei ihrer „Entdeckung“ der sich in der Ferne abzeichnenden Berge fühlten.

Basiscamp

Im Sommer ist die Straße ins Koldedalen geöffnet und man kann mit dem Auto fast bis an den Fuß des Berges heranfahren. Dennoch sollte man bedenken, dass die Anzahl der Parkplätze begrenzt und die Straße relativ schmal ist. Rechts von der Straße oberhalb des Gebirgssees Koldedalsvannet schlugen wir unser Zeltlager auf und genossen die Aussicht auf unser Tourenziel auf der einen Seite und weiter östlich auf den Uranostind auf der gegenüberliegenden Seite. Der direkt oberhalb von uns plätschernde Gebirgsbach trug dazu bei, dass wir mit unserem Zeltplatz recht zufrieden waren.

 

Womit wir hingegen Mitte August im Gebirge nicht gerechnet hatten, waren die Mückenschwärme, die uns umgaben. Ein kalter Frühling hatte die Brutzeit verzögert und die blutrünstigen Monster jagten uns während unserer Mahlzeiten ins Zelt. Allerdings in ein etwas größeres Zelt als das Einpersonenzelt, das uns während unserer Wintertour beherbergt hatte.

Die Routenwahl

Die üblichste Route zum Falketind wird gerne „Normalroute“ genannt. Man startet am Ende der Straße neben dem Koldedalsvannet und wandert in westlicher Richtung ins Morka-Koldedalen. Hier passiert man die Nordseite eines Gebirgssees auf 1291 Meter über dem Meeresspiegel. Am Ende des Sees geht es über eine steile Schneewehe, die je nach Schneebedingungen eine Herausforderung darstellen kann. Es ist ratsam, eine Eisaxt dabeizuhaben. Der Pfad führt weiter entlang des Gebirgssees Andrevannet über Steine und Geröll, bis man den Gletscher Stølsnosbreen erreicht. Nach dessen Überquerung führt die Route auf der westlichen Seite des Flusses weiter nach oben.

Hier wandert man über eine recht steile Felspartie, die bei regnerischem Wetter rutschig sein kann. Am oberen Ende des Bergabhangs beginnt dann der Gletscher. Wandern Sie am Anfang entlang des Gletscherrands. Falls Sie eine entsprechende Gletscherausrüstung dabeihaben, können Sie weiter oben in den Hauptbereich des Gletschers vordringen. Wir entschieden uns, uns direkt nach rechts oben zu wenden und dem Bergrücken bis auf den Gipfel zu folgen. Die Normalroute jedoch folgt dem Gletscher bis hinein an den Fuß des Gipfels und steigt beim letzten Stück an. Auf dem Rückweg nach unten nahmen wir dieselbe Strecke. Für die Tour werden 10–12 Stunden eingerechnet, was der Zeit entsprach, die wir tatsächlich brauchten.

Der Gletscher Stølsnosbreen

Dieser Gletscher ist relativ homogen und gilt als sicher. Folgt man der Route auf der rechten Seite des Gletschers, bewegt man sich mehr auf den Schneewehen als auf dem Blaueis, und es gibt hier auch keine großen Gletscherspalten. Die Spalten befinden sich in der Mitte des Gletschers und führen hinauf in Richtung Stølsnostind. Bei warmem Wetter lassen sich die Schneewehen gut begehen. Passen Sie jedoch gut auf, wenn es Frost oder niedrige Temperaturen gegeben hat. Unter solchen Umständen kann der letzte Schneehang zum Gipfel eine Herausforderung sein. Ist der Schnee steinhart, ist die Verwendung von Steigeisen und einer Eisaxt erforderlich, um sich zum Gipfel hochzuarbeiten. Kommt man ins Rutschen, kann dies insofern problematisch sein, als es mehrere Abschnitte mit gefährlichen Steinen gibt.

Wenn Sie den Gletscher begehen, ohne angeseilt zu sein oder Gletscherausrüstung bei sich zu haben, müssen Sie unbedingt Ihre Augen offenhalten. Wenn Sie nach oben blicken, sehen Sie die Linien im Eis. Die größten Herausforderungen sind Sicht und Neuschnee. Wenn es geschneit hat – was im Sommer in Jotunheimen nicht ungewöhnlich ist – müssen Sie ganz besonders vorsichtig sein, da die Spalten dann nicht mehr sichtbar sind. Bei schlechter Sicht ist es außerdem unverantwortlich, sich ungesichert auf dem Gletscher zu bewegen.

„Kodak Courage“

 

„Verwende für deine Hände und Füße einfach genau die Griffe und Tritte, die ich verwendet habe.“

Robert Caspersen

Robert Caspersen bewegt sich wie Spiderman auf dem Weg zum Bergrücken hinauf.

Ich atme tief ein und begebe mich auf den Bergabhang hinaus, der die Sicht auf den etwa 700 Höhenmeter tiefer gelegenen Gebirgssee Andrevannet freigibt. Klettern ist wohl etwas zu viel gesagt, aber ein gutes Stück Kraxelarbeit ist es schon. Ich trete loses Material unter mir weg und gebe mein Bestes, um nicht nachzusehen, ob die Steine ins Wasser fallen. Zum Glück dauert es nicht lange, bis wir die höchste Stelle des Bergrückens erreicht haben, der sich in zahlreichen Windungen zur Spitze des Falketind am Südrand des Gletschers hinzieht. Glücklicherweise fällt es mir leichter, ein bisschen „Kodak Courage“ an den Tag zu legen und zu Ehren des Fotografen zu posieren, da ich in die Weite sehen kann, um die herrliche Aussicht zu genießen, ohne nach unten blicken zu müssen.

Trotz des starken Windes am Gipfel hatten wir auf unserer Tour fantastische Wetterverhältnisse. Der Fels war trocken, der Schnee pappig, und auf dem Weg nach unten brauchten wir unsere Steigeisen gar nicht, da unsere Fußspuren im Schnee als Treppenstufen dienten. Nach einiger Zeit des Abstiegs sitzen wir um den Campingkocher, der Wind hält die Mücken in Schach und wir sehen zu, wie sich das wohlbekannte Fotomotiv von Falketind und Hjelledalstind erst lila, dann rosa und golden verfärbt, bis alles blau erleuchtet ist. Als letzter Gedanke, bevor ich mich in meinen Schlafsack zurückziehe, geht mir durch den Kopf, dass die Silhouette der Berggipfel wirklich wie ein Eingangstor aussieht.

Hinweise für Sommertouren:

1. Im Sommer ist der Regen Ihr größter Feind. Das Wetter wechselt im Gebirge schnell. Für den Fall, dass man von Regen und sinkenden Temperaturen überrascht wird, ist Vorbereitung wichtig. So können Sie danach relativ schnell die Kleidung wechseln und sich eventuell vor weiteren Niederschlägen schützen. Führen Sie für den Fall, dass Sie von einem Unwetter überrascht werden, im Rucksack stets eine wasserdichte Jacke und zusätzliche Kleidungsschichten mit sich.

2. Sofern das Wetter es zulässt, ist winddichte Kleidung beim Wandern oft am angenehmsten zu tragen. Empfehlenswert sind atmungsaktive Softshell-Hosen und Windjacken, die vor Wind schützen und gleichzeitig gute Entlüftung bieten.

3. Selbst im Sommer können Steigeisen notwendig sein. Dies hängt von den Verhältnissen ab, wenn man jedoch einen Gletscher überqueren muss, ist es ratsam, sowohl Steigeisen als auch eine Eisaxt mitzuführen.

4. Vergessen Sie die Sonnencreme nicht! Die Sonne ist stark, und selbst wenn die Temperaturen niedrig sind, nähern Sie sich doch einer Höhe von 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Auch wird die Sonne wird zusätzlich von hier und da verbliebenen Restschneefeldern reflektiert.

5. Mückenschutz. Während man sich bewegt und höher nach oben gelangt, sind die Mücken kein Problem. Abends jedoch würde man gern entspannt um den Campingkocher herum sitzen, ohne dass einem das Blut abgezapft wird.

6. Verlassen Sie sich auf Ihre Augen! Schlechte Sicht und Neuschnee sind die größten Herausforderungen, wenn Sie sich im Sommer auf einem Gletscher bewegen. Sowohl Neuschnee als auch schlechte Sicht hindern Sie daran, das Gelände zu studieren und zu sehen, wo die Gletscherspalten verlaufen.

7. An Stellen, die nicht von Eis und Schnee bedeckt sind, ist es wichtig, die Stein- und Gerölllage zu berücksichtigen. Sie könnten vermehrt auf lockere Steine stoßen und besonders bei Wanderungen in steilem Gelände sollte man sich dessen bewusst sein. Auf dem Gletscher kann es auf der rechten Seite lockere Moränenabschnitte geben. Es ist ratsam, sich auf der Schneewehe fortzubewegen.

8. Im Allgemeinen ist der Gletscher Stølsnosbreen homogen und sicher, doch kann dies von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein. Erkundigen Sie sich daher stets in den lokalen Touristenhütten nach den Verhältnissen.