Norrøna

Das Tamoktal – so dunkel und doch so hell

Kennen Sie die Redewendung: „Für die Welt bist du nur irgendjemand, aber für irgendjemanden bist du die Welt“?

Gleiches trifft auch auf Orte zu. Seltene Perlen findet man nie aufgefädelt an einer Halskette, sondern oft sind sie in unbekannten Gegenden verstreut, die bisher nur von wenigen Menschen betreten wurden. Die Suche nach diesen seltenen Perlen ist oft nicht so einfach, wie es scheint. Vor allem braucht es Geduld und bereits beim ersten Schritt zeigt sich, ob man in der Lage ist, sich auf unbekanntes Gelände einzustellen. Warum verwenden wir bei der Einführung unseres neuen Konzepts unsere Zeit auf die Suche nach diesen seltenen Perlen? Für Jørgen Jørgensen, CEO von Norrøna, gibt es dafür eine einfache Erklärung:

„Es geht darum, etwas Neues zu schaffen, nach einem unberührten Terrain zu suchen, das wir formen können. Der Ort muss der Aktivität entsprechen, um die sich unser Konzept dreht, vor allem aber interessieren wir uns für sein Wesen."

Nach diesen Worten ist es nun an der Zeit, diesem romantischen Portrait ein Ende zu setzen und vier Norrøna-Botschafter mit zwei verrückten Fotografen in ein Auto zu setzen, damit sie sich vom Flughafen in Tromsø auf den Weg ins Tamoktal machen. In Nordkjosbotn sollte man dann sein Auto parken, den einheimischen Guide anrufen und sich einen schwarzen Kaffee schmecken lassen, solange man auf das Rentiertaxi wartet, das man natürlich schon im Vorfeld gebucht hat. Doch halt: Bitte streichen Sie den letzten Satz und merken Sie sich die erste Lektion aus Nordnorwegen: Geschichten aus dem hohen Norden sind nicht immer ganz wörtlich zu nehmen. 

Wenn Sie aus Nordkjosbotn aufbrechen, müssen Sie unbedingt darauf achten, dass Sie die richtige Richtung einschlagen. Lassen Sie sich nicht davon beunruhigen, dass dieser Ort als größte Kreuzung Nordnorwegens bekannt ist. In Wirklichkeit können Sie nur zwischen drei Richtungen auswählen, und wenn Sie nicht den Weg einschlagen wollen, von dem Sie gerade kommen, bleiben nur noch zwei Möglichkeiten übrig. Erwarten Sie aber auch kein großes Schild, das Ihnen den Weg zum Tamoktal weist. Wenn Sie noch keinen Einheimischen an Ihrer Seite haben, lohnt sich jetzt ein GPS. Und wenn Sie dann endlich das Ziel erreicht haben, können Sie Ihren Augen mit Sicherheit eine Ruhepause gönnen, denn Sie werden rein gar nichts sehen: Es herrscht absolute Dunkelheit.

Die Wände im Wohnzimmer des Olsrud Adventure sind mit Pinienholz verkleidet, die Stimmung ist gut. Fotograf Sandbech und Botschafter Wiig haben gerade die neuesten Animationen auf Snapchat entdeckt. Inmitten der Lachsalven erscheint der Chef höchstpersönlich. Sein Kopf wird von einem riesigen Fellhut gewärmt, seinen Oberkörper ziert Gore-Tex, seine kostbareren Teile hingegen sind durch ein weniger wasserdichtes Material geschützt – ein Handtuch. Seine rosigen Wangen zeugen von einer angenehmen Zeit in der nahegelegenen Sauna. Es handelt sich um unseren einheimischen Guide namens Aadne. Aadne ist einer der 5720 Einwohner der Kommune Balsfjord, in der sich das Tal befindet.

Er hat jede Menge Aufträge, die, um was es sich auch handeln mag, immer etwas mit dem Tamoktal zu tun haben. „Alles dreht sich um die Ressourcen. Unsere Ressourcen sind lange Winter, Schnee in Massen und hohe Berge." Gemeinsam mit Snowboardlegende Jarkko Henttonen hat er viel Zeit darauf verwendet hat, dem Tamoktal einen Platz auf der Landkarte zu verschaffen. Nach der Organisation mehrerer Freeride-Wettbewerbe stellt sich nun langsam, aber sicher, der Erfolg ein und der Zweijahresplan sieht einen Skilift vor. „Die Menschen im Tamoktal sind Veränderungen gegenüber zu 99,9% aufgeschlossen – solange Sie Ihr Auto nicht an der falschen Stelle parken", lacht Aadne.

Es ist früh am Morgen. Über dem Tal hängt flach ein bläuliches Licht. Endlich lassen sich die Konturen dessen ausmachen, was das Tal zu bieten hat. Auf den ersten Blick kann das aussehen wie Birken, die sich hier breitgemacht haben, was auch stimmt, doch erst der zweite Blick zeigt, was dazwischen liegt. Dort findet man, was das Herz begehrt, Kissen, Rinnen, Felsen für Sprünge, so weit das Auge reicht, und erst dann erkennt man das wahre Potenzial über der Baumlinie. Nur die eigene Kreativität trennt einen noch von dieser Kulisse, doch die Zeit drängt. Zwar sind wir für die Dunkelheit hier, den richtigen Ort müssen wir aber noch bei Licht finden. „Habt ihr alle an eure Stirnlampen gedacht?"

Die Frage stellt Fotograf Holter und Wiig macht ein schuldbewusstes Gesicht. Er hat seine Lampe vergessen und wir kehren noch einmal um.

Dunkelheit umgibt uns und Kälte, aber im hohen Norden kann man sich wohl kaum darüber beschweren. Keiner der Freerider ist jemals zuvor im Dunkeln gefahren. „Ich fürchte mich nicht vor der Dunkelheit", erklärt Tritscher zögerlich. „Ich habe zwar etwas über die Wölfe gehört, aber vor der Dunkelheit fürchte ich mich nicht." Auch Hargin erklärt, keine Angst zu haben. „Im Dunkeln besteht die Herausforderung darin, dass man nur sieht, was direkt vor einem liegt. Man weiß absolut nicht, was einen noch erwartet."

Es ist Neumond. Wir schauen zu, wie die Botschafter einen Hang hinaufsteigen, und warten darauf, ihre Abfahrt zu filmen. Wenn man darauf wartet, Aufnahmen wie diese zu machen, fühlt sich das an, als würde man das Ende der Polarnächte im Norden ersehnen. Allerdings haben die Fotografen Holter und Sandbech dank ihrer jahrelangen Erfahrungen einige Tricks auf Lager, wie man Kälte und Langeweile besiegt, wenn sich das Warten hinzieht. Zu ihrem Repertoire zählen: spielerische Kämpfe, zahllose vergebliche Saltoversuche, Liegestütze und Hin- und Herlaufen nach Geschwindigkeit. Doch dann nähern sich Tritscher, Wiig und Hargin endlich dem Bergkamm. In diesem Moment öffnet sich uns das Tamoktal aus einer ganz neuen Perspektive. Die Botschafter sind nur noch wenige Meter vom Gipfel entfernt, als der Mond beschließt, ihnen ein Stück entgegenzukommen. Ein wahrhaft magischer Moment: Einige wertvolle Sekunden lang haben wir die Ehre, dem Mond die Hand zu schütteln.

   

„Eins, zwei, drei, los!" Andreas‘ Stimme klingt durch das Walkie-Talkie ein wenig verzerrt. Als drei Lichtkugeln (alias Stirnlampen) durch den Wald nach unten rasen, fühlen wir uns wie mitten in einem Star-Wars-Film. Schweres Pulver fliegt wie Konfetti durch die Luft, weiche Wendungen hinterlassen tiefe Spuren im Schnee, und als wir schon meinen, alles sei vorbei, hören wir das „Wumm" eines Aufpralls auf einen Baum. Aus der Dunkelheit kommt jemand mit einem Dreibeinstativ auf uns zu, der keine Stirnlampe tragen darf. Ein benommener Norrøna-Botschafter und Kameramann Nikolai Schirmer beruhigt uns: „Alles gut, nur mein Stolz ist verletzt." Und so kehren wir nach einem erfolgreichen Tag im Tal, das sein Versprechen auf epische Freeride-Bedingungen mehr als erfüllt hat, mit kalten Füßen in das piniengetäfelte Wohnzimmer zurück.

„Noch 30 Minuten bis Abfahrt", ruft Fotograf Holter. Eine gewisse militärische Strategie ist gar nicht so fehl am Platz, wenn es darum geht, Schneeliebhaber zum Verlassen eines verschneiten Orts zu bewegen. Schirmer und Tritscher sind noch draußen und schießen ein paar letzte Aufnahmen, während Hargin in beeindruckendem Multitasking Packen und Yoga miteinander kombiniert. Sandbech hat verschiedenstes Fotozubehör in den Händen und im Mund den Snack erster Wahl in Nordnorwegen: Stockfisch. Der entsprechende Geruch nach gesalzener, getrockneter Forelle sorgt in der Gruppe für unterschiedliche Reaktionen. Glücklicherweise hat es Wiig auf sich genommen, den lokalen Jargon zu erlernen, der größtenteils aus Schimpfwörtern besteht. Als wir dann alle stolz „ballkuk" rufen, was sich 1:1 mit Eierschwanz übersetzen lässt, glänzt plötzlich aus dem offenen Tal die Sonne auf. Es ist die lang ersehnte Rückkehr des Sonnenlichts, das sich zum ersten Mal in diesem Jahr im Tamoktal zeigt. Wärme durchströmt uns, als wir in das Auto steigen, denn in diesem Moment wissen wir alle, dass wir uns bald wiedersehen werden.

 

FAKTEN:

Tamok:
Das neue Tiefschnee-Freeriding-Konzept von Norrøna.

Tamoktal:
30 km langes Tal in der nordnorwegischen Kommune Balsfjord.
Das Tal liegt etwa 200 m über dem Meeresspiegel, der höchste Berg erreicht 1600 m über dem Meeresspiegel.

Anreise und Unterkunft:
Per Flugzeug nach Tromsø (TOS) und von dort per Mietwagen.
Folgen Sie der E8 über Nordkjosbotn nach Overgård.
Fahren Sie in Overgård rechts und schalten Sie Ihr GPS ein. Geben Sie Olsrud Adventure ein oder rufen Sie Aadne an: +47 48 17 47 00.

Die Fahrt von Tromsø zum Tamoktal dauert ca. eineinhalb Stunden.

Nordkjosbotn, die größte Kreuzung Nordnorwegens:
Der Grund hierfür ist, dass es sich um die Hauptzufahrt nach Tromsø handelt, da sich hier die Europastraßen E6 und E8 kreuzen.

Wenn Sie es auf die Dunkelheit abgesehen haben:
27. November – 15. Januar.
Uns hat es allerdings im Februar am besten gefallen.

Essen:

Kaufen Sie Essen und Getränke in Tromsø, da es im Tamoktal extrem an Supermärkten mangelt.

 

 

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