Die Rückkehr zum südlichen Patagonischen Inlandeis

Das südliche Patagonische inlandeis ist die größte Eiskappe in Südamerika und liegt in den Anden zwischen Chile und Argentinien.

Dies ist eine wilde Gegend, es gibt nur wenige Menschen, keine Karten, extreme Temperaturen und Gletscher ziehen sich durch das riesige Andengebirge auf dem Weg zum Pazifik. Ich bin schon mal hier gewesen, im Jahr 2003, als Thomas Ulrich und ich die erste nicht unterstützte Überquerung dieser 500 Kilometer langen Eiskappe machten. Wegen meiner Erfahrung mit dieser Expedition bereitete ich mich auf nasse und windige Bedingungen und zahllose Tunnelsysteme vor.

Dieses Mal waren wir zu fünft; Hallgeir, Ola, Thorleif aus Norwegen und Vincent aus Frankreich. Der Plan war, mit den Skiern bis zum Jorge Montt Gletscher auf der Westseite zu fahren, auf das Plateau hinauf und dann Richtung Osten in El Chalten, in Argentinien, hinauszufahren. Wir mieteten ein Boot im kleinen Dorf Tortel, an der Chilenischen Westküste, und segelten nach Süden in Richtung des Jorge Montt Gletschers. In einem Süßwassersee in der Nähe der Küste stellten wir das erste Lager auf und angelten auch. An diesem Abend gab es einige schöne Forellen zum Abendessen.

Vincent Colliard beim Fangen des Hauptmenüs für den Abend.

Das Wetter in Patagonien ist ziemlich extrem, mit tagelangem oder wochenlangem, starkem Regenfall. Entlang der Küsten von Patagonien gibt es große (kalte) Regenwaldgebiete. Dieser Wald ist nahezu undurchdringlich ohne Machete. Allein das Zurücklegen einiger hundert Meter kann Stunden dauern. Weiter oben weicht die Vegetation kargem Fels mit dunklem Moos und Flechten. Es sind zwei Tage Reise durch den Wald hinauf zum Gletscher. Mit etwa 60 kg Ausrüstung pro Person war es eine knochenbrechende Angelegenheit auf rutschigen Felsen, aber schließlich, am dritten Tag, erreichten wir festes Eis.

Der Weg durch die Wildnis bis zum Eis kann ziemlich stark mit Sträuchern bewachsen sein.

Bei der Ankunft stellten wir fest, dass der Eingang zum Gletscher, den ich im Jahre 2003 benutzt hatte, nicht mehr vorhanden war. Die Gletscher waren in zehn Jahren stark geschmolzen und ich würde schätzen, dass der untere Teil um etwa 70 bis 80 Meter gesunken war und sich um rund 500 Meter zurückgezogen hatte. Dies bedeutete, dass wir eine neue Strecke suchen mussten, weil sich die Landschaft so stark verändert hatte. Es gab viele und tiefe Gletscherspalten, und es gab jede Menge Eis, da dies ein sich ziemlich rasch bewegender Gletscher ist. In einem Lagerplatz, den wir auf dem Feld einer Gletscherspalte errichtet hatten, bewegten wir uns in der Nacht 9 Meter weiter. Der einzige Weg voran war in der Nähe der Berge, aber ein Eisstrom der an den Seiten vorbeiströmte, machte die Überquerung schwierig.

Botschafter Borge Ousland zurück in Patagonien

In diesen Teilen der Gletscher liefen wir die ersten zwei Tage auf Steigeisen - es lag kein Schnee zum Skifahren. Steigeisen und Eispickel sind notwendig auf steilen, vereisten Pisten, aber Skier sind aufgrund der besseren Gewichtsverteilung viel sicherer, wenn es darum geht, Schnee-Brücken zu überqueren. Steigeisen sind auch scharfe spitze Dinge und können zu schweren und Schäden an der Ausrüstung führen. Am zweiten Tag auf dem Gletscher, verletzte sich Vince mit einem Steigeisen am Fuß. Es sah ziemlich schlimm aus; wir verabreichten ihm Antibiotika, nahmen seinen Schlitten und begaben uns weiter in Richtung des Gletschers. (Als wir in El Chalten ankamen und Vince seinen Fuß geröntgt bekam, erfuhren wir, dass sein Fuß tatsächlich gebrochen war).

Botschafter Borge Ousland zurück auf dem Eis

Es dauerte zehn Tage, bis wir die Hochebene auf 1500 m Höhe erreichten. Mit klarem Himmel und großartigen Skibedingungen konnten wir uns endlich schneller fortbewegen. Dies ist eine ganz andere Welt. Es sind diese scharfen, gezackten Spitzen, die aus dem Eis ragen - einige von ihnen bis zu viertausend Meter hoch - die Patagonien so wild und besonders machen. Letztes Mal, als ich hier war, waren die Berge hinter den Wolken verborgen, daher war dies auch eine neue, beflügelnde Erfahrung für mich. Aber gutes Wetter hält nur selten lange in Patagonien, und als wir von Böen mit mehr als 20 Metern pro Sekunde überrascht wurden, blieben wir für einen Tag im Zelt. Der nächste Tag war fast genauso schlecht, aber wir befanden uns im Auge des Sturms und mit dem Wind im Rücken fuhren wir mit den Skiern weiter. Hier navigierten wir blindlings mithilfe von Sat-Karten - das ist der sicherste Weg, da es keine herkömmlichen Karten für diese Gebiete gibt. Ich kaufe einfach Satelliten-Fotos, mit Graden und Minuten, und mithilfe der groben GPS-Koordinaten können wir auch bei schlechtem Wetter Ski fahren - angeseilt natürlich.

Umgeben vom Schnee. Borge Ousland in seinem Element.

Die letzte Nacht auf dem Gletscher campten wir im völligen „Whiteout“, und wachten unter einem klaren Himmel und Cerro Torre vor uns auf. Wir waren jetzt in der Nähe des Marconi Passes, und schon bald konnten wir auch Fitz Roy, ein anderer berühmtee Hotspot für abgehärtete Kletterer, sehen. Beide sind wunderschöne Granitberge, und in vielerlei Hinsicht das Wahrzeichen von Patagonien. Paso Marcony war einfach: nur einen steilen Schneehang hinab Richtung Lago Electrico. Auch hier hat sich der Gletscher im Laufe der letzten zehn Jahre stark zurückgezogen und machte es dadurch ein bisschen gefährlich, den Pass zu verlassen. Große Séracs hingen nun direkt über unserer Route, und in diesen Gebieten bewegt man sich schnell, um so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone herauszukommen.

Patagonien

Die letzten Tage liefen wir wieder mit dem Rucksack, von einem Tal in Richtung Osten. Auf dieser Seite des Gletschers war es viel trockener, und ohne den dichten Dschungel findet man den Weg zur Ostküste. Nach und nach tauchte wieder mehr Vegetation auf, von winzigen Grasbüscheln und Blumen bis zum Urwald mit riesigen Bäumen weiter unten im Tal. Nun, da wir die meisten unserer Lebensmittel und Kraftstoffe aufgebraucht hatten, konnten wir den ganzen Weg in einem Rutsch zurücklegen. Auf der Straße waren wir sehr froh, uns von der Last auf unseren Rücken zu befreien, und in das wartende Fahrzeug einzusteigen. Wir beendeten unsere Reise in El Chalten, einer kleinen Stadt, die bekannt als Ausgangspunkt für Kletterer ist, und kamen schließlich in den Genuss eines argentinisches Steaks, von dem wir lange geträumt hatten!

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