Bruno Compagnet, professioneller Ski Bum

Geboren in den Pyrenäen, mit einem verwitterten Gesicht, aber ein Blick in seine Augen verrät einem sofort, dass die Falten von einem lebenslangen Lächeln herrühren.

Der ernste Blick in seinen Augen kommt immer mit einem Augenzwinkern. Er strahlt ein Gefühl der Ruhe und Zufriedenheit aus, etwas, wonach die meisten Menschen ihr ganzes Leben lang suchen. Vielleicht liegt das an dem Leben, das er in den Bergen führt. Vielleicht ist es das Skifahren. Oder, weil er jeden Tag mit grünem Tee und Yoga beginnt? In der Hoffnung, den Ursprung eines ausgeglichenen und glücklichen Lebens zu finden, hatte ich eine Unterhaltung mit Bruno Compagnet, dem professionellen Ski Bum, wie er sich selbst bezeichnet.

Norrona Botschafter und französischer Freerider Bruno Compagnet

„Ich träume davon, einen Volkswagen Kombi zu kaufen. Ihn schwarz zu streichen und im Winter darin zu wohnen. Ich muss nicht weit weg, aber auf diese Weise könnte ich in den Alpen herumfahren und mich dahin begeben, wo der Schnee gut ist. Er ist das Symbol der Freiheit, sagt Bruno mit einem ernsten Gesicht. “

Freiheit ist ein ernstes Thema für ihn. Es ist wichtig. Bruno traf früh die Entscheidung, dass er sein Leben in den Bergen leben würde. Mit den Bergen. Von den Bergen. Schule hatte ihn nie wirklich interessiert und sobald er die Gelegenheit erhielt, packte er seine zwei Paar Ski ein und begab sich in die Hauptstadt des Freeride: Chamonix. Mit seiner Rastafrisur und seinem einzigartigen Stil des Skifahrens, bei dem er dem unebenen Gelände mit sanften Bewegungen folgte, dauerte es nicht lange, bis er zu einem bekannten Gesicht unter den Skifahrern wurde. Ich traf gleichgesinnte Menschen und Skifahrer, zu denen ich mein ganzes Leben lang aufgeschaut hatte. Hier hatte ich meinen Weg im Leben gefunden.

Norrona Botschafter und französischer Freerider Bruno Compagnet beim Skifahren in Patagonien

Er nahm an Wettbewerben teil, er gewann und bekam Anerkennung als einer der Besten. Es war nicht genug.  

„Ich muss frei sein und in den Bergen leben, sagt Bruno, das ist meine Motivation. Ich fahre fort, Dinge auf meinem eigenen Land zu tun und dadurch kann ich Freude finden in dem, was ich tue.“

Mehr Skifahrer kamen nach Chamonix und die Berge, die zuvor unberührt von Skiern gewesen waren, wandelten sich langsam in überfüllte Gegenden. Bruno hatte noch nie etwas übrig gehabt für die Massen und nach einer Weile zog er in die Dolomiten, um einen Ort zu finden, an dem er sicher war, dass es mehr Berge als Skifahrer gab. Hier fand er Ruhe und gründete eine Familie.

Er wacht früh auf. Verbringt 10 bis 15 Minuten mit Stretching und Yoga, bevor er sich seine Tasse grünen Tee schnappt und ein kleines Frühstück zu sich nimmt. Er prüft das Wetter, ruft Freunde an, packt seinen Rucksack mit heißem Wasser und ist ziemlich schnell aus der Tür raus, um einen Berg hochzuklettern. Das ist ein normaler Tag für Bruno von Oktober bis Juni. Das ist die Art und Weise, wie er sein Leben leben möchte. Das ist das Rezept, denke ich mir, aber dann merke ich, dass es so einfach nicht ist, als ich ihn nach seinem Lieblingsplatz zum Skifahren frage und die Antwort ist: „ein neuer Berg.“ Ich begreife, dass man mehr braucht als nur die Routine im Alltag, auch wenn die Routine an sich fast perfekt ist.

„Meine Tage sind unterschiedlich; Skifahren führt mich oft an neue Orte. Meine größten Momente habe ich, wenn ich auf einer neuen Strecke Ski fahre, die meine gesammelten Kenntnisse über Berg- und Schneesicherheit erfordert. Und wo meine volle Aufmerksamkeit und Präzision notwendig ist. Dann lebe ich ganz im Augenblick. “

Bruno fährt oft steil Ski. Mehr als 45 Grad und oft auf sehr exponierten Flächen. Das ist genau das, was wir Steep Skiing nennen. Die Folge eines Sturzes kann tödlich sein.

Norrona Botschafter und französischer Freerider Bruno Compagnet beim Skifahren in Patagonien

Hat sich Ihr Skifahren geändert, nachdem Sie Vater geworden sind? Sind Sie vorsichtiger?

„Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich egozentrisch bin, weil ich immer so viel Ski fahre, aber gleichzeitig ist das eben mein Job. Andere Menschen geben ihren Beruf nicht auf, wenn sie Kinder haben. Beim Steep Skiing konzentriert sich die gesamte Energie darauf, auf den Füßen zu bleiben. Vater oder nicht Vater, Sie dürfen nicht stürzen“

Mit anderen Worten: Er hat nicht vor aufzuhören.

„Ich bin 45 Jahre alt und ich besitze nicht mehr die gleiche Stärke wie früher. Beim Steep Skiing aber ist es von Vorteil, langsamer Ski zu fahren und an der perfekten Technik zu arbeiten. Wo ich früher große Risiken eingegangen bin, treffe ich heute gut durchdachte Entscheidungen.“

Norrona Botschafter und französischer Freerider Bruno Compagnet beim Skifahren in Patagonien

Er sitzt am Fenster mit einer Tasse schwarzem Kaffee in den Händen und starrt auf den neuesten Beitrag zum Lager, einen schwarzen Habicht mit einem orangefarbenen Schnabel. Der Vogel hat sich die letzten Tage um die einfache Hütte herum aufgehalten. Eine freie Seele sucht sich vielleicht eine gleichgesinnte Seele, unabhängig von der jeweiligen physischen Form. Zusammen mit Ruben, dem besten (sprich: einzigen) Schneemobil-Fahrer in Venezuela, dem möglicherweise besten Koch von Venezuela, Suami, dem kanadischen Fotografen Kari Medig und dem Filmemacher Nikolai Schirmer aus Norwegen hat Bruno sein Zelt aufgeschlagen, außerhalb der kleinen Hütte, die als Basislager für alle dient, die auf dem Weg in die Berge von Patagonien sind. Er hat den Sommer in Europa hinter sich gelassen, um sich auf halbem Weg mit König Winter zu treffen. Patagonien ist ein Ort voller Gegensätze. Die klimatischen Unterschiede werden durch Brunos nackte Füße und seine Skiausrüstung akzentuiert. Hier unten gibt es keinen Schnee. Aus dem Schornstein kommt Rauch. Es ist nicht Sommer. Um aber den Winter zu finden, müssen sie höher hinauf.

Norrona Botschafter und französischer Freerider Bruno Compagnet auf einem Skilift

Viele Skifahrer verbringen ihren Sommer mit Sehnsucht nach dem Winter und der Vorbereitung auf die Skisaison. Bruno nutzt die zahlreichen Möglichkeiten der Berge im Sommer genauso viel wie im Winter. Er fährt mindestens 5 Tage in der Woche von Dezember bis Juni Ski. Das ist nicht die normale 9-17 Uhr Woche und es ist hart für den Körper. Im Sommer ist es dann an der Zeit für Erholung, was nicht bedeutet, dass man den ganzen Tag rumhängt und sich ausruht. Als Bergführer bestehen die Tage aus Klettern, Schwimmen und Wandern, sowie Surfen, wann immer er die Gelegenheit dazu hat. Das Leben in den Bergen ist ein ganzjähriger Job, solange man sich an die Umgebung und das Klima anpasst.

„Ich tue nichts Besonderes außerhalb der Saison, um in Form zu bleiben, aber ich habe einen aktiven Job und genieße es, Zeit in der Natur zu verbringen. Als ich in dieser Saison das erste Mal in Patagonien Ski gefahren bin, war es, als ob ich nie aufgehört hätte. Ich denke, dass Abwechslung gesund ist: man braucht eine natürliche Balance im Leben. So wie auf die Nacht der Tag folgt. Für mich ist das das Richtige.“

Auch wenn das Leben anders ist als im Winter, sind die wichtigen Aspekte doch gleich: neue Leute kennen lernen, seine Leidenschaft mit anderen motivierten Menschen teilen, Zeit in der Natur verbringen. Jeden Tag. Das ist das, was für Bruno wichtig ist.

„Patagonien ist für mich eine andere Welt, hinsichtlich der Natur und auch der Kultur. Die Einheimischen hier sind super, sie begrüßen einen mit offenen Armen, es ist ganz egal, ob Sie Skifahrer sind oder nicht. Ihr Wissen über die Region ist für uns von unschätzbarem Wert, genauso wie ihre Gesellschaft.“

Haben Sie ein Ziel für den Winter?

„Haha, das ist eine Frage für junge Menschen, sagt Bruno. Seine Augen lächeln. Es gibt keinen besonderen Wettbewerb, den ich gewinnen will, keinen Berg, den ich speziell erklimmen will. Ich habe verschiedene Projekte, aber das Ziel dabei ist, ein Abenteuer zu erleben und Menschen mit der gleich starken Motivation zu treffen. Mein Ziel für die Saison ist es, fit zu bleiben und Spaß zu haben mit meiner Familie und alleine beim Skifahren. “

Norrona Botschafter und französischer Freerider Bruno Compagnet beim Skifahren in Patagonien

Brunos Lebensweise ist etwas, wovon viele Menschen träumen, was sich aber nur wenige erfüllen können. Jeden Tag Ski fahren, nahe der Natur leben, die Welt auf der Suche nach Abenteuern bereisen. Eine Karriereentscheidung, die sich von der Norm unterscheidet. Doch die Freude und Motivation, die er bei seinem Tun erlebt, ist immer noch eine Inspiration, egal wie ein 9-17 Tag aussehen könnte. Die Freude an den einfachen Dingen. Brunos Philosophie im Leben. 

Bruno fährt auf den Lofoten

    Norrøna Magazine